Dieser Text informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung gehören zu Neurologinnen und Neurologen; setze verordnete Medikamente nie eigenmächtig ab.
Frühe Anzeichen
Am Anfang stehen oft unspezifische oder kurz dauernde Beschwerden. Typisch sind:
- verschwommenes oder gedämpftes Sehen auf einem Auge, oft mit Schmerz bei Augenbewegung (Sehnerventzündung),
- Kribbeln, Taubheitsgefühl oder „eingeschlafene“ Körperstellen,
- Schwäche oder Schwere in Armen oder Beinen,
- Gangunsicherheit, Schwindel, Doppelbilder.
Diese Zeichen haben viele mögliche Ursachen. Halten sie länger als einen Tag an oder kehren wieder, lass sie neurologisch abklären.
Häufige Symptome im Verlauf
- Fatigue: eine ausgeprägte, nicht durch Schlaf behebbare Erschöpfung; eines der häufigsten Symptome. Mehr dazu im Fatigue-Planer.
- Spastik und Muskelschwäche, Steifigkeit, Gehstörungen.
- Gefühlsstörungen und Schmerzen, zum Beispiel brennende oder elektrisierende Missempfindungen.
- Blasen- und Darmstörungen, etwa Harndrang oder Verstopfung.
- Kognitive Einschränkungen: Konzentration, Merkfähigkeit und Denkgeschwindigkeit (siehe Kopf fit im Alltag).
- Stimmungsveränderungen, Depression und Ängste.
- Sexualfunktionsstörungen.
Kaum jemand hat alle diese Symptome. Wärme kann Beschwerden vorübergehend verstärken (Uhthoff-Phänomen); sie bilden sich meist zurück, wenn die Körpertemperatur sinkt. Tipps dazu: Hitze und Sommer mit MS.
Was ist ein Schub?
Ein Schub sind neu auftretende oder sich verschlechternde neurologische Beschwerden, die mindestens 24 Stunden anhalten, mit mindestens 30 Tagen Abstand zum letzten Schub auftreten und nicht durch Fieber oder Infekte erklärt sind. Schübe bilden sich oft von selbst zurück, hinterlassen manchmal aber bleibende Einschränkungen.
Bei Verdacht auf einen Schub rufe zeitnah in der neurologischen Praxis an. Je nach Schwere behandeln Ärztinnen und Ärzte meist mit einer kurzen, hochdosierten Kortison-Therapie.
Wann zum Arzt?
Geh zeitnah zur Neurologin oder zum Neurologen, wenn Seh-, Gefühls- oder Bewegungsstörungen länger als 24 Stunden anhalten, plötzlich auftreten oder wiederkehren. Bei plötzlichem Sehverlust, Lähmung oder Sprachstörung wähle den Notruf 112, denn das können auch andere Notfälle wie ein Schlaganfall sein.
Häufige Fragen
Was sind die ersten Symptome von MS?
Häufig Sehstörungen auf einem Auge, Kribbeln oder Taubheitsgefühle und Schwäche in Armen oder Beinen. Sie sind aber nicht beweisend für MS.
Kann MS Fatigue verursachen?
Ja. Fatigue gehört zu den häufigsten MS-Symptomen und tritt oft auch ohne körperliche Anstrengung auf.
Wie lange dauert ein MS-Schub?
Meist Tage bis wenige Wochen. Die Rückbildung kann vollständig sein, aber auch Restsymptome hinterlassen.
Quellen
- DGN/AWMF-Leitlinie: Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen und MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen (030-050)
- Lublin FD et al.: Defining the clinical course of multiple sclerosis. Neurology 2014;83:278-286
- Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), Bundesverband
Stand: 2026-10-29. Weitere Grundlagen: Was ist MS? · MS-Diagnose · MS-Therapien.