Dieser Text informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung gehören zu Neurologinnen und Neurologen; setze verordnete Medikamente nie eigenmächtig ab.
Der Weg zur Diagnose
Eine einzelne Untersuchung beweist MS nicht. Die Neurologin oder der Neurologe bewertet das Gesamtbild:
- Anamnese: Welche Beschwerden gab es, wann und wie lange?
- Neurologische Untersuchung: Reflexe, Kraft, Gefühl, Koordination, Augenbewegungen.
- MRT von Kopf und Rückenmark, meist mit Kontrastmittel. Sie zeigt Entzündungsherde (Läsionen).
- Nervenwasser-Untersuchung (Liquor): Hinweise auf Entzündung im Zentralnervensystem, zum Beispiel oligoklonale Banden.
- Evozierte Potenziale: Messung, wie schnell Nervenleitungen reagieren, etwa der Sehbahn (VEP).
- Blutuntersuchungen, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Die McDonald-Kriterien
International gilt die McDonald-Klassifikation (zuletzt 2017 überarbeitet). Kern ist der Nachweis, dass Schädigungen an verschiedenen Orten (räumliche Dissemination) und zu verschiedenen Zeitpunkten (zeitliche Dissemination) aufgetreten sind. Das MRT kann beides oft schon bei der ersten Untersuchung zeigen. Auch oligoklonale Banden im Liquor können unterstützen.
Differenzialdiagnosen
Ähnliche Beschwerden und MRT-Bilder gibt es auch bei anderen Erkrankungen, zum Beispiel bei Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen, MOG-Antikörper-assoziierter Erkrankung, Gefäßveränderungen oder Infektionen wie Borreliose. Deshalb gehört der Ausschluss anderer Ursachen zur Diagnose.
Nach der Diagnose
Wenn du gerade die Diagnose bekommen hast, hilft dir MS neu diagnostiziert: Orientierung für den Start. Wie es mit der Behandlung weitergeht, steht unter MS-Therapien im Überblick.
Häufige Fragen
Wie sicher ist die MS-Diagnose?
Nach den McDonald-Kriterien lässt sich MS heute oft früh und sicher feststellen. In unklaren Fällen werden Untersuchungen nach einiger Zeit wiederholt.
Kann man MS nur im MRT erkennen?
Das MRT ist die wichtigste Untersuchung, reicht aber allein nicht aus. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Beschwerden, MRT, Liquor und Ausschluss anderer Erkrankungen.
Ist die Lumbalpunktion gefährlich?
Sie gilt als sicher. Manche Menschen bekommen danach vorübergehend Kopfschmerzen. Die Ärztin oder der Arzt klärt dich vorher auf.
Quellen
- Thompson AJ et al.: Diagnosis of multiple sclerosis: 2017 revisions of the McDonald criteria. Lancet Neurology 2018;17:162-173
- DGN/AWMF-Leitlinie: Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen und MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen (030-050)
- Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), Bundesverband
Stand: 2026-10-29. Weitere Grundlagen: Was ist MS? · MS-Symptome · MS-Therapien.