Dieser Text informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung gehören zu Neurologinnen und Neurologen; setze verordnete Medikamente nie eigenmächtig ab.
1. Schubtherapie
Bei einem Schub mit spürbaren Einschränkungen wird meist ein hochdosiertes Glukokortikoid (Kortison) über einige Tage gegeben. Wenn das nicht ausreicht, kommen Blutwäsche-Verfahren wie Plasmapherese oder Immunadsorption infrage.
2. Verlaufsmodifizierende Therapien
Diese Medikamente senken die Zahl der Schübe und neuer Herde im MRT und können das Fortschreiten verzögern. Die Leitlinie unterscheidet nach der Krankheitsaktivität:
- Substanzen für mildere Verläufe, zum Beispiel Interferon-beta, Glatirameracetat, Teriflunomid, Dimethylfumarat.
- Substanzen für aktive Verläufe, zum Beispiel S1P-Rezeptor-Modulatoren (wie Fingolimod), Cladribin, Natalizumab sowie anti-CD20-Antikörper (wie Ocrelizumab, Ofatumumab).
Die Wahl hängt unter anderem von Krankheitsaktivität, Verlaufsform, Begleiterkrankungen, Kinderwunsch und deinen Vorstellungen ab. Jede Substanz hat eigene Nebenwirkungen und Kontrollen. Für primär progrediente MS gibt es weniger zugelassene Optionen. Neue Wirkstoffe, etwa BTK-Hemmer, werden in Studien untersucht; aktuelle Ergebnisse ordnen wir unter Studien & Forschung ein.
3. Symptomatische Therapie und Reha
Viele Beschwerden lassen sich unabhängig vom Verlauf behandeln: Spastik, Blasenstörungen, Schmerzen, Fatigue oder Depression. Dazu gehören Medikamente, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie und Rehabilitation. Regelmäßige Bewegung und eine ausgewogene Ernährung gehören zu einem guten Alltag mit MS.
Ergänzende Ansätze
Zu Cannabis, Psilocybin und Vitalpilzen sind wir Studien durchgegangen: Cannabis bei MS, Psilocybin, Vitalpilze. Sie ersetzen keine verlaufsmodifizierende Therapie.
Häufige Fragen
Welche MS-Therapie ist die beste?
Das hängt vom Verlauf und von der persönlichen Situation ab. Die Wahl trifft man gemeinsam mit der Neurologin oder dem Neurologen.
Wann sollte man mit einer Therapie beginnen?
Nach den Leitlinien möglichst früh, sobald die Diagnose gesichert ist und Krankheitsaktivität besteht.
Kann man die Therapie absetzen?
Nur nach ärztlicher Rücksprache. Eigenmächtiges Absetzen kann zu erneuter Krankheitsaktivität führen.
Quellen
- DGN/AWMF-Leitlinie: Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen und MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen (030-050)
- Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), Bundesverband
Stand: 2026-10-29. Weitere Grundlagen: Was ist MS? · MS-Symptome · MS-Diagnose.