Dieser Text informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung. Diagnose und Behandlung gehören zu Neurologinnen und Neurologen; setze verordnete Medikamente nie eigenmächtig ab.
MS kurz erklärt
Bei Multipler Sklerose (MS, auch Encephalomyelitis disseminata) richtet sich das Immunsystem gegen Strukturen im eigenen Gehirn und Rückenmark. Angegriffen wird vor allem das Myelin, die Isolierschicht um die Nervenfasern, später auch die Nervenzellen selbst. Dadurch werden Signale langsamer oder gar nicht mehr weitergeleitet.
Weil Entzündungsherde an ganz verschiedenen Stellen entstehen können, sind die Beschwerden sehr unterschiedlich. Deshalb gilt MS als „Krankheit mit tausend Gesichtern“. Sie ist nicht ansteckend und keine klassische Erbkrankheit. MS ist bis heute nicht heilbar, aber heute gut behandelbar: Mit modernen Therapien lässt sich der Verlauf bei vielen Betroffenen deutlich bremsen.
Wie häufig ist MS?
Weltweit leben nach Schätzungen rund 2,8 Millionen Menschen mit MS. In Deutschland geht die DMSG von etwa 280.000 Betroffenen aus. Die Erkrankung beginnt meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr; Frauen sind etwa zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Seltener erkranken Kinder und Menschen über 50.
Verlaufsformen
- Schubförmig remittierende MS (RRMS): Die häufigste Form am Anfang. Neue Beschwerden treten als Schub auf und bilden sich danach ganz oder teilweise zurück.
- Sekundär progrediente MS (SPMS): Nach Jahren schubförmigen Verlaufs nehmen die Einschränkungen schleichend zu, mit oder ohne zusätzliche Schübe.
- Primär progrediente MS (PPMS): Von Beginn an schleichende Verschlechterung, etwa 10 bis 15 Prozent der Betroffenen.
- Klinisch isoliertes Syndrom (CIS): Ein erster Schub, der noch nicht alle Kriterien für die Diagnose MS erfüllt.
Fachleute beschreiben den Verlauf heute zusätzlich als „aktiv“ oder „nicht aktiv“ (Schübe oder neue MRT-Herde) und mit oder ohne Fortschreiten der Behinderung.
Was sind die Ursachen?
Die genaue Ursache ist nicht geklärt. Man geht von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren aus:
- genetische Veranlagung (sie erhöht das Risiko, bestimmt es aber nicht allein),
- eine frühere Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus (EBV); große Studien sehen einen deutlichen Zusammenhang,
- niedrige Vitamin-D-Spiegel und wenig Sonnenlicht,
- Rauchen und Übergewicht im Jugendalter.
Mehr zu aktuellen Studien findest du unter Studien & Forschung; die EBV-Forschung erklären wir im Podcast.
Wie geht es nach der Diagnose weiter?
Entscheidend sind früh begonnene Therapie, regelmäßige Kontrollen und ein Alltag, der zu dir passt. Weiterlesen: Symptome der MS, Wie MS diagnostiziert wird, Therapien im Überblick und die Orientierung für neu Diagnostizierte.
Häufige Fragen
Ist MS heilbar?
Nein, MS ist bisher nicht heilbar. Es gibt aber wirksame Therapien, die Schübe und das Fortschreiten deutlich verringern können.
Ist MS erblich?
MS ist keine klassische Erbkrankheit. Das Risiko ist in betroffenen Familien etwas höher, die meisten Kinder von Menschen mit MS erkranken aber nicht.
Ist MS ansteckend?
Nein. MS ist nicht ansteckend.
Verkürzt MS die Lebenserwartung?
Im Durchschnitt ist die Lebenserwartung bei MS etwas verringert; dieser Abstand wird durch moderne Therapien kleiner. Eine persönliche Einordnung gibt dir deine Neurologin oder dein Neurologe.
Quellen
- DGN/AWMF-Leitlinie: Diagnose und Therapie der Multiplen Sklerose, Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen und MOG-IgG-assoziierten Erkrankungen (030-050)
- Lublin FD et al.: Defining the clinical course of multiple sclerosis. Neurology 2014;83:278-286
- Walton C et al.: Rising prevalence of multiple sclerosis worldwide. Multiple Sclerosis Journal 2020;26:1816-1821
- Bjornevik K et al.: Longitudinal analysis reveals high prevalence of Epstein-Barr virus associated with multiple sclerosis. Science 2022;375:296-301
- Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG), Bundesverband
Stand: 2026-10-29. Weitere Grundlagen: MS-Symptome · MS-Diagnose · MS-Therapien.